Weinrebe am Haus: wenige Augen oder langer Rückschnitt?

Weinrebe am Haus: wenige Augen oder langer Rückschnitt?

Gudrun 0 3 05:29
Was tatsächlich weg muss – und was stehen blei

Typische Fehler wiederholen sich: Der letzte Schnitt wird im Stehen auf der obersten Sprosse ausgeführt, obwohl dort kein Haltegriff mehr existiert. Es wird seitwärts gesägt, während der Blick nach unten zum Schnitt geht. Die Säge wird nach dem Schnitt nicht abgelegt, sondern hängen gelassen, während der Körper sich neu positioniert. Und nicht zuletzt: Die Leiter wird während des Sägens nicht bewegt, obwohl genau das die richtige Lösung wäre. Wer diese vier Punkte vermeidet, reduziert das Risiko erheblich – nicht durch Geschicklichkeit, sondern durch Positionierung.

Worauf es beim Schnitt wirklich ankom

Ein häufiger Fehler ist der Schnitt in altes Holz. Reben treiben aus mehrjährigen Partien nur zögerlich aus und bilden dann Triebe ohne Blütenstände. Wer die Fruchtruten jedes Jahr aus dem gleichen Bereich entnimmt, verlagert den Ertrag nach oben und außen. Besser ist es, die Ruten abwechselnd zu wählen und die Pflanze flach an der Wand zu halten. Ebenso problematisch ist ein zu später Schnitt nach dem Austrieb: Die Rebe hat bereits Kraft in Triebe gesteckt, die nun entfernt werden, und der Ertrag fällt geringer aus.

Warum ein Drittel pro Jahr mehr bewirkt als ein radikaler Rückschnitt Ein Strauch, der auf einen Schlag auf den Stock gesetzt wird, treibt aus schlafenden Augen am Wurzelhals aus. Diese Triebe sind anfangs weich, haben weite Gefäßbahnen und sind für Pilze und Frost leichte Beute. Bei der Drittelregel bleiben genügend ältere Triebe stehen, die den Saftstrom regulieren und dem Strauch Stabilität geben. Gleichzeitig wird der verholzte Kern nach und nach durch jüngeres Holz ersetzt. Nach drei Jahren ist der Strauch komplett verjüngt, ohne dass er je nackt dastand. Das ist besonders wichtig bei Sträuchern, die als Sichtschutz oder Strukturgeber dienen.

Der Rückschnitt erfolgt in der Vegetationsruhe, also zwischen Dezember und Ende Februar. Später sollte man nicht schneiden, weil die Rebe dann bereits blutet, also Saft aus den Schnittwunden austritt. Für den Hausgebrauch eignet sich der Zapfenschnitt: Man wählt pro Pflanze zwei bis vier kräftige Ruten und lässt daran jeweils zwei bis drei Augen stehen. Alle übrigen Triebe werden bis auf einen kurzen . Der Stummel dient als Reserve, falls ein Auge erfriert. Die Schnittstellen setzt man knapp über dem Auge an, ohne es zu verletzen, und schneidet schräg vom Auge weg.

Ein häufiger Fehler ist der Schnitt in die Waagerechte. Wer alle Triebe auf gleicher Höhe kappt, erzeugt eine Besenform, die von innen verkahlt. Besser ist es, ganze Triebe an der Basis zu entfernen und die verbleibenden in unterschiedlicher Höhe zu belassen. Ein weiterer Fehler: das Stehenlassen von Stummeln. Kurze Reste sterben ab und werden zur Eintrittspforte für Pilze. Der Schnitt erfolgt knapp über dem Boden oder an einer nach außen zeigenden Knospe, ohne das Gewebe zu quetschen. Eine saubere, scharfe Säge hinterlässt glatte Wunden, die der Strauch schnell überwallt.

Die dritte Gruppe ist die einfachste und wird am häufigsten falsch behandelt. Diese Clematis blüht ausschließlich an den neuen Trieben, die im Frühjahr wachsen. Dazu gehören Clematis viticella, Clematis jackmanii und die meisten großblumigen Sorten mit späten Blütezeiten ab Juni. Hier schneidet man im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr alle Triebe auf 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden zurück, etwa auf zwei kräftige Knospenpaare. Wer das nicht tut, bekommt eine Pflanze, die oben blüht und unten kahl ist. Ein kräftiger Rückschnitt ist bei dieser Gruppe keine Gefahr, sondern die Voraussetzung für viele Blüten.

Der richtige Zeitpunkt liegt meist im Spätwinter, wenn der Strauch noch kahl ist. Bei früh blühenden Arten wie Forsythie oder Mandelbäumchen schneidet man direkt nach der Blüte, sonst fällt die nächste Blüte aus. Vor dem Schnitt wird der Strauch von allen Seiten betrachtet. Man sucht die ältesten, dicksten Triebe, erkennbar an grauer, rissiger Rinde. Diese werden bodennah entfernt, ohne den Wurzelstock zu verletzen. Ein Drittel der Gesamttriebe ist die Obergrenze, nicht das Ziel. Wer weniger entfernt, schadet nicht, wer mehr nimmt, provoziert eine Notblüte auf Kosten der Substanz.

Nach dem Schnitt braucht der Strauch keine spezielle Pflege. Eine Mulchschicht aus Laub oder Kompost hält die Feuchtigkeit, aber Dünger ist kontraproduktiv, weil er weiches Wachstum fördert. Wer im ersten Jahr nach dem Verjüngungsschnitt eine Nachblüte sieht, kann diese entfernen, um die Kraft in den Triebaufbau zu lenken. Bei stark vernachlässigten Sträuchern lohnt es sich, den Schnitt auf zwei Jahre zu verteilen und im ersten Jahr nur ein Viertel des alten Holzes zu nehmen. Die Drittelregel ist eine Richtschnur, kein Dogma. Entscheidend ist, dass der Strauch nach jedem Eingriff noch genug grüne Substanz besitzt, um sich aus eigener Kraft zu erneuern.

Wer eine Weinrebe an der Hauswand zieht, steht jedes Frühjahr vor derselben Frage: radikal zurückschneiden oder wachsen lassen? Die Antwort entscheidet darüber, ob die Pflanze viele kleine Beeren oder wenige große Trauben ausbildet. Reben fruchten nur an einjährigen Trieben, die aus älteren Knospen austreiben. Wer diese Knospen, fachlich Augen genannt, nicht begrenzt, bekommt viel Blattmasse und kaum brauchbare Trauben. Der Schnitt im Winter ist deshalb kein Formschnitt, sondern eine Ertragssteuerung.photo-1640950253943-2281b37b8589?ixid=M3wxMjA3fDB8MXxzZWFyY2h8OHx8cmF1bXRlaWxlciUyMG9obmUlMjBzaWNodHNjaHV0enxlbnwwfHx8fDE3ODkyMjE1MjV8MA\u0026ixlib=rb-4.1.0

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